Geschichte des Kyokushin

Karate, die Kunst des Kampfes mit den leeren Händen wurde in Indien 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung erfunden.

Wie die Legende berichtet, hat die Entwicklung des Karate vor mehr als 1000 Jahren begonnen, möglicherweise sogar bereits im 5. Jahrhundert v.Chr. als Bodhidharma, ein buddhistischer Mönch, von Indien kommend in China, im Shaolin-Kloster ("Kleiner Waldtempel") eintraf. Er führte ein System von Übungen ein, die bestimmt waren, Körper und Geist zu stärken, was angeblich den Beginn des Tempelboxens markiert. Bodhidharmas Übungen wurden zur Grundlage der meisten chinesischen Kampfkünste.

Die Kampfkunst wurde immer weiter entwickelt und erreichte schliesslich via Mongolei und Korea die Insel Okinawa. Okinawa ist die Hauptinsel der Ryuku-Inselkette, die sich von Japan bis nach Taiwan erstreckt. Umgeben von Korallen, ist Okinawa 10 Kilometer breit und erstreckt sich über 110 Kilometer Länge. Die Insel liegt 740 Kilometer östlich vom Festland Chinas und 550 Kilometer südlich von Japan und 550 Kilometer nördlich von Taiwan.

Zu Anfang war die als Karate bezeichnete Kampfkunst eine auf Okinawa entwickelte Form des Faustkampfes, die "Te" (Hand) genannt wurde. Den Einwohnern Okinawas war das Tragen von Waffen durch ihre Besatzer verboten. Sie verfeinerten daraufhin ihre Techniken des waffenlosen Kampfes, die im Geheimen an die Schüler weitergegeben wurden. Günstig wirkte sich auch der Einfluss anderer Kampfkünste aus, die von Adligen und reisenden Händlern auf der Insel eingeführt wurden. Die Kunst des Te entwickelte sich über die Jahre immer weiter, in erster Linie in den drei Inselstädten Shuri, Naha und Tomari. Jede einzelne dieser Städte stellte ein unterschiedliches Zentrum dar: König und Adel, Kaufleute und Händler, Bauern und Fischer. Aus diesem Grunde entwickelte sich in jeder Stadt eine andere Form der waffenlosen Selbstverteidigung, die nach ihrer Herkunft benannt wurden: Shuri-Te, Naha-Te und Tomari-Te. Eine Oberbezeichnung hierfür ist Okinawa-Te oder Tode (chinesische Hand). Allmählich bildeten sich im Karate zwei Hauptformen heraus: Shorin-ryu um die Städte Shuri und Tomari herum und Shorei-ryu in der Region von Naha.

Das chinesische Zeichen im Wort Tode konnte auch als kara ausgesprochen werden, wobei Te ersetzt wurde durch Kara Te - Jutsu oder wie die Meister Okinawas sagten: Kunst chinesischer Hände. Diese Bezeichnung wurde später durch Gichin Funakoshi (gestorben 1957) in Karate-Do geändert, der eine andere Bedeutung des Zeichens Kara verwendete, nämlich "leer". Von nun an bedeutete Karate "leere Hand". Do bedeutet "Weg" oder "Pfad".

Die erste öffentliche Darbietung des Karate fand im Jahre 1917 durch Gichin Funakoshi im Butoku-den in Kyoto statt. Diese und folgende Präsentationen begeisterten die Japaner einschliesslich ihres damaligen Kronprinzen Hirohito. Im Jahr 1922 wurde Funakoshi durch Dr. Jano Kano, dem Gründer des modernen Judo, eingeladen, um Karate im berühmten Kodokan-Dojo vorzustellen und um die neue Kampfkunst in Japan zu lehren. Diese Förderung war wesentlich für die weitere Verbreitung des Karate in Japan. Ohne die Unterstützung eines so renommierten Meisters wie Kano, hätte Karate als "Bauernsport aus Okinawa" nur schwer eine derart rasche Verbreitung in Japan gefunden.

Für Funakoshi war Karate nicht nur eine Kampfkunst, sondern ein Weg zur Entwicklung der inneren Qualitäten und zur Formung des Charakters.



Masutatsu Oyama wurde am 27.Juli 1923 im Süden von Korea als Yong-I Choi geboren. Mit zwölf Jahren kannte er sich in den Kampfsportarten des chinesischen Kempo, des Judo und des Boxens aus.

In jungen Jahren lebte er auf dem Gehöft seiner Schwester in der Mandschurei. Oyama begann mit dem Studium der Kampfkünste im Alter von 9 Jahren und lernte zunächst von einem Arbeiter auf besagtem Gehöft. 1938, im Alter von 15 Jahren, wanderte Oyama nach Japan aus, wo er sich später der kaiserlichen Japanischen Armee anschliessen wollte, in der Hoffnung, Kampfpilot werden zu können. Allein in Tokyo fühlte er sich als Koreaner jedoch unerwünscht und bereute seine Entscheidung. Glücklicherweise lernte er eine koreanische Familie kennen und wurde von ihnen aufgenommen. Es war üblich für koreanische Immigranten, japanische Namen anzunehmen, um von der japanischen Gesellschaft besser akzeptiert zu werden. So nahm Choi in Ehre an seine Gastgeber den Namen Oyama an.

Beeindruckt von Grossmeister Gichin Funakoshi, dem eigentlichen Gründer des modernen Karate, schrieb er sich an der Takushoku-Universität in Tokyo ein und wurde von Funakoshi in dessen Dojo aufgenommen, wo er für mehrere Jahre trainierte und als er mit zwanzig Jahren in die kaiserliche japanische Armee eintrat, bereits Yondan war.
Kurz nach der japanischen Kapitulation 1945 widmete er sich für mehrere Jahre dem Goyu-ryu unter der Anleitung von So Nei Chu (1907-?). Ebenso vertiefte Oyama seine Kenntnisse im Judo und wurde in weniger als vier Jahren ebenfalls Yondan.

Inspiriert vom berühmten Roman "Miyamoto Musashi", begab sich Oyama im Alter von 23 Jahren, zusammen mit seinem Gefolgsmann Yashiro, auf den Berg Minobu in Chiba, Japan. Er hat dort vierzehn Monate verbracht um danach zum Verlassen des Berges gezwungen gewesen sein, da sein Gönner (der Autor der Musashi-Schriften) ihn nicht mehr weiter unterstützen konnte. Nachdem er Monate später die nationalen Japanischen Kampfkunstmeisterschaften im Karate gewonnen hatte, kehrte er für 18 weitere Monate in die Berge zurück, dieses Mal auf den Berg Kiyosumi, da er sein ursprüngliches Ziel, drei Jahre in der Einsamkeit zu trainieren noch nicht erreicht hatte.

1950 begann Sosai Oyama seine berühmten Stierkämpfe, um der ganzen Welt die Kraft und die Stärke seines Karate zu demonstrieren. Gegen 53 Stiere trat Oyama an, von denen er drei sofort tötete und den anderen mit seinem Handkantenschlag die Hörner abschlug.

1953 eröffnete Oyama sein erstes Dojo unter freiem Himmel auf einer Grasparzelle in Mejiro Tokyo. Im Jahre 1956 zog er in eine Ballettschule um. Seine Lehren entwickelten bald einen Ruf als harte, intensive und praxisorientierte Kampfschule, die in einer Zeremonie 1957 "Kyokushin - Stil der letzten Wahrheit" getauft wurde. Er wählte diesen Namen aufgrund des Sprichwortes: "Nach tausend Tagen Üben ist man ein Anfänger, nach zehntausen Tagen ein Experte". Dieses Sprichwort bedeutete für ihn die "ultimative" (oder letzte) Wahrheit.
Mit wachsender Reputation des Dojo wuchs auch die Zahl der Schüler, die aus dem japanischen In- und Ausland zum Training zu Oyama kamen. Viele der späteren Oberhäupter der heutigen Organisationen, die aus dem Kyokushin hervorgegangen sind, begannen ihr Training in dieser Zeit. 1964 zog Oyamas Dojo in ein anderes Gebäude um, das von da an als Hombu und Welthauptquartier seiner Schule diente. In diesem Zusammenhang gründete er auch die "International Karate Organization Kyokushinkaikan" (IKO), um die vielen Schulen, die zu diesem Zeitpunkt seinen Stil lehrten, zu organisieren.

Bis zu seinem Tod baute er seine IKO mit Sitz in Tokyo zu einem der weltweit grössten Kampfkunstverbände aus, mit Niederlassungen in mehr als 120 Ländern und mehr als 10 Millionen eingetragenen Mitgliedern. In Japan wurden Bücher von ihm und über ihn verfasst und abendfüllende Spielfilme schilderten farbenfroh seine Lebensgeschichte.

Oyama starb im Alter von knapp 71 Jahren, am 26. April 1994 - obwohl Nichtraucher - an Lungenkrebs.

Sein Tod, die nachfolgenden juristischen Streitereien und die neue Leitung der IKO hatte viele politische und wirtschaftliche Unruhen in die Kyokushinkai Welt gebracht, was zu einer Aufsplitterung der Organisation führte.

Als einer dieser neuen Organisationen wurde die World Karate Organization (WKO) mit ihrem Präsidenten Kenji Midori gegründet.
In der Schweiz wurde (als Mitglied der WKO) am 1. Juni 2005 die Swiss-Shinkyokushin Association (SSKA) ins Leben gerufen.